Forderungsmanagement von A – Z

A

Abtretung:
Die Abtretung gemäß § 398 BGB ermöglicht es dem Gläubiger, eine ihm zustehende Forderung auf eine andere Person zu übertragen. Eine rechtswirksame Abtretung setzt einen entsprechenden Vertrag zwischen dem Abtretenden und dem neuen Gläubiger (z.B. ein Inkassounternehmen) voraus. Die Abtretung bedarf grundsätzlich keiner Zustimmung des Schuldners.

Auftraggeber (s.a. Gläubiger):
Der Auftraggeber eines Inkassounternehmens ist der Gläubiger, der dem Inkassounternehmen per Inkassovertrag den Auftrag erteilt, seine ausstehenden Forderungen einzuziehen. Dieser hat aufgrund einer vertraglichen Regelung mit dem Schuldner einen Anspruch auf eine Zahlung, die durch Inanspruchnahme einer Dienstleistung, der Nutzung eines Angebotes oder den Erhalt einer Ware zustande gekommen ist.

Auftragnehmer:
Das beauftragte Inkassounternehmen wird als Auftragnehmer bezeichnet, welches für den Gläubiger die Einziehung der offenen Forderungen übernimmt.

Ausgeklagte Forderungen:
Ausgeklagte Forderungen liegen dann vor, wenn der Gläubiger einen Titel erwirkt und den Rechtsweg voll ausgeschöpft hat.

Automatisiertes gerichtliches Mahnverfahren:
Dieses Verfahren wird eingesetzt, um die sehr aufwändige manuelle Bearbeitung von Mahnverfahren kostengünstiger, schneller und effizienter durchzuführen. Statt manueller Bearbeitung von Anträgen werden diese am PC bearbeitet und elektronisch oder über Datenträger an das Gericht weitergeleitet.            

B

Bundesverband Deutscher Inkasso – Unternehmen e.V. (BDIU):
Dem Bundesverband Deutscher Inkassounternehmen gehören heute über 530 Mitgliedsunternehmen an. Dieser vertritt die Interessen der Inkassobranche gegenüber der Öffentlichkeit. Die Inkassounter-nehmen realisieren die Forderungen Ihrer Auftraggeber und führen sie so dem Wirtschaftskreislauf wieder zu (ca. 4 Milliarden Euro p.a.).

D

Debitorenmanagement: 
Unter Debitorenmanagement versteht man die Steuerung und Überwachung von Zahlungen der Schuldner bzw. Kunden sowie den kompletten telefonischen und schriftlichen Kundenkontakt. Diese Aufgabe kann unternehmensintern oder durch Auslagerung an ein spezialisiertes Inkassounternehmen (z.B. mit eigenem Call-Center) durchgeführt werden.

E

Eidesstattliche Versicherung (EV): 
Mit der Eidesstattlichen Versicherung erklärt derjenige, der sie abgibt (i.d.R. der Schuldner), dass eine bestimmte getätigte Aussage wahr ist. Die EV dient in der Zwangsvollstreckung dem Gläubiger dazu, Auskunft über die Einkommens- und Vermögensverhältnisse eines Schuldners zu erhalten.    

G

Gerichtsvollzieher: 
Der Gerichtsvollzieher ist für alle Vollstreckungshandlungen zuständig, die nicht dem Gericht übertragen werden wie z.B. Ladungen, Zustellungen, Vollstreckungen (Sachpfändungen, Abnahme einer Eidesstattlichen Versicherung).

Gläubiger: 
Der Auftraggeber eines Inkassounternehmens ist der Gläubiger. Diesem entstehen durch die nicht erbrachte Zahlung des Schuldners weitere Kosten durch Rücklastschriften der Bank, durch Mahnspesen, Portokosten, Personalkosten und ähnliche Nebenforderungen.

I

Inkassovollmacht:
Durch eine Inkassovollmacht, die Bestandteil eines Inkassovertrages ist, wird ein Inkassounternehmen damit beauftragt, sämtliche Beitreibungsmaßnahmen einzuleiten, die bis zur restlosen Bezahlung der Forderung durch den Schuldner erforderlich sind.

M

Mahnverfahren: 
Man unterscheidet grundsätzlich zwei Arten von Mahnverfahren:

1.      Außergerichtliches/kaufmännisches Mahnverfahren: Dies bezeichnet den Prozess, mit dem Schuldner, der aufgrund einer Lieferung oder Leistung des Gläubigers in Zahlungsverzug geraten ist, auf telefonischem, schriftlichem oder persönlichem Wege in Kontakt zu treten mit dem Ziel, offene Forderungen beizutreiben.

2.      Gerichtliches Mahnverfahren: Im gerichtlichen Mahnverfahren hat der Gläubiger bei unbestrittenen Forderungen die Möglichkeit entweder einen Vollstreckungstitel bzw. –bescheid zu erwirken oder - im Falle des Widerspruchs oder Einspruchs des Schuldners - Klage gegen den Schuldner zu erheben.

P

Pfändung:
Pfändung bezeichnet die staatlich angeordnete Beschlagnahmung von Gegenständen oder  Rechten (z.B. bestehende Forderungen des Schuldners) zum Zwecke der Gläubigerbefriedigung. Man unterscheidet drei Arten von Pfändungen: Sachpfändung, Lohnpfändung und Kontenpfändung.

S

Schuldner:
Als Schuldner wird derjenige bezeichnet, der einem Gläubiger eine Leistung schuldet.

T

Titulierung:
Ein Titel ist ein gesetzlich verbrieftes Recht. Eine gerichtlich titulierte Forderung bestätigt den Anspruch des Gläubigers gegen den Schuldner und wird durch ein Mahn- oder Klageverfahren erreicht. Gleichzeitig ist eine Titulierung die Voraussetzung für eine Zwangsvollstreckung. Ein titulierter Forderungsanspruch verjährt nach 30 Jahren.   

Treuhandinkasso:
Treuhandinkasso bezeichnet die treuhänderische Übertragung der rechtlichen Inhaberschaft der Forderung an ein Inkassounternehmer. Wirtschaftlich bleibt der Gläubiger aber der Inhaber der Forderung.

V

Verjährung:
Die Verjährung ist der durch den Ablauf einer bestimmten Frist bewirkte Verlust der Möglichkeit, einen bestehenden Anspruch durchzusetzen. Im Schuldrecht berechtigt die Verjährung einen Schuldner, nach Ablauf einer Frist, den Anspruch seines Gläubigers nicht mehr zu erfüllen (Einrede der Verjährung). Die Verjährungsfrist kann andererseits durch bestimmte Handlungen wie z.B. Zustellung eines Mahnbescheides, Klageerhebung oder Verhandlungen gehemmt („verlängert“) werden. Die Zeit der Hemmung wird dann der Verjährungsfrist hinzugerechnet.

Verzugsschaden:
Die nach Eintritt des Verzuges entstandenen Kosten des Forderungseinzuges können als Verzugsschaden ebenso geltend gemacht werden wie die Zinsen auf die Forderungssumme selbst. Zu den Kosten gehören bspw. sämtliche Adressermittlungs-, Mahn-, Telefon-, Gerichts- und Anwaltskosten. 

Z

Zahlungsverzug:
Zahlungsverzug wird im Allgemeinen mit einer Mahnung nach der Fälligkeit einer Geldforderung herbeigeführt. Nach § 286 Abs. 3 Satz 1 BGB kommt der Schuldner einer Forderung spätestens und automatisch in Verzug, wenn er nicht innerhalb von 30 Tagen nach Fälligkeit und Zugang einer Rechnung zahlt – und zwar ohne, dass er gemahnt wird. Ist der Schuldner ein Verbraucher, muss er auf diese Regelung hingewiesen werden. Nach Ablauf dieser Frist ist er verpflichtet, den Verzugsschaden zu ersetzen.

Zwangsvollstreckung:
Unter Zwangsvollstreckung versteht man sämtliche Maßnahmen, die von den Vollstreckungsorganen (Vollstreckungsgericht, Gerichtsvollzieher) auf Antrag des Gläubigers zur Durchsetzung seiner Ansprüche gegen den Schuldner ergriffen werden können. Voraussetzung dafür ist die Vorlage eines vollstreckbaren Titels (z.B. Lohn- und Gehaltspfändungen).